Ich habe die Sarner Tracht und besonders ihre Tücher schon als Kind bewundert. Die Muster im „Glänztibit“ haben mich damals wie heute fasziniert. Ebenso habe ich große Hochachtung vor dem Kunsthandwerk der Federkielstickerei, das in unserem Tal seit Generationen gepflegt wird. Menschen in Tracht strahlen Zusammengehörigkeit aus – und eine Art stilles Selbstbewusstsein.
Kaum zu glauben, dass die bunte Miedertracht einst an die Barock‑ und Biedermeierzeit angelehnt war! Und wusstet ihr, dass die Tiechlar früher sehr dunkel waren und erst mit der Zeit farbenfroher wurden? Ich habe mich da ein wenig eingelesen – und ich bin richtig erfüllt, wie schön alles zusammenpasst und wie viel Geschichte in jedem Detail steckt.
Mit diesem Gedanken im Kopf wollte ich die Muster und Formen der Sarner Tracht in kunstvollen Tausendschön‑Ohrringen neu interpretieren. Also habe ich recherchiert – und was soll ich sagen: Mich hat einfach alles inspiriert. Blumen, Ranken, Verzierungen, Bordüren, Stickereien, Fransen … ein Schatz an Formen und Symbolen!
Gemeinsam mit der Künstlerin Katharina Rungger sind daraus handgemalte Motive entstanden. Die Formen der neuen Kollektion greifen das Dreieck des „Tiechl“, die siebeneckigen traditionellen Goldohrringe sowie Nelke und Kleeblatt aus der Federkielstickerei auf. Und je tiefer man eintaucht, desto mehr entdeckt man – ich war überrascht, wie viel Vielfalt in unserer Tradition steckt.
Ich weiß, dass im Bairischen oft „weniger ist mehr“ gilt. Aber bei Tausendschön darf es auch einmal mehr sein. Warum?
Weil in uns Frauen Kraft, Mut und Ausdruck stecken – und das darf sichtbar gemacht werden!
Darum trägt diese Kollektion den Namen KIRCHTE KATHL:
Ein kleiner Schritt, um die Frau im Sarntal ein Stück mehr ins Licht zu rücken. Das Sarner Mandl kennen wir schließlich schon lange ;-)
In größter Hochachtung vor unserer Tradition!